Mittwoch, 8. September 2010

Die Heuchelei I

Heute war ich im Park. Ich lag in der stechenden Sonne und las. Ein weiteres Buch habe ich zu Ende gelesen. Es berührte mich, aber diese Berührung war nur oberflächlich. Bücher sind nichts weiter als totes Holz. Sie legen sich in mein Bewusstsein und werden zu einer dicken Schlacke. Weitere legen sich schwer über sie, und schließlich werden sie zu Öl. Dieses Öl, dass mich antreibt, mich sanft aber unbeirrt auf den Tod zusteuert. Man darf sich dem nicht verweigern. Der Tod läutet das Ende der Existenz ein. Die Leute glauben, sich vor ihm zu fürchten, aber in Wirklichkeit streben sie ihn alle an. Indem sie durch die Zeit schreiten, ohne zu begreifen. Indem sie den Fluss der Zeit beschleunigen. Der Tod ist nichts schlechtes. Er ist programmiert. Die Angst vor ihm aber auch. Beides ist gleichermaßen wichtig für die Evolution. Der Mensch lebt, um zu sterben. Aber erst der moderne, post-industrialisierte Mensch hat es sich zur Aufgabe ersonnen, das Leben zu verkürzen. Indem er es zwanghaft versucht mit Sinn zu füllen, und Versprechen hinterher jagt, die niemals erfüllt werden. Doch seit wann ist das so? Der alte Mensch, der lebte um zu arbeiten. Er kürzte sein Leben dadurch zwar direkter, aber weniger geheuchelt.

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