Mittwoch, 29. September 2010

Der Zusammenhang

0 Uhr. Sinnlosigkeit wartet darauf, verdaut zu werden. Feuchtes Laub wird vom Wind verweht, sammelt sich zu Formen, verschwindet, entsteht neu. Die Neugier, die Schönheit und der Geist. Und dann ist da diese Sache. Absolut irrelevant. Diese Sache soll dem ganzen dienen, doch ich sehe den Zusammenhang nicht. Irgendjemand muss ihn irgendwann aus einem Kellerloch hervorgezaubert haben. Und ich habe diesem jemand aus der Hand gefressen. Wie gern würde ich es wieder ausspucken, doch es ist bereits verdaut. Das Öl kocht, der Gestank ist unerträglich. Ich stecke meine Fingerspitzen hinein. Es zischt, meine Haut wirft Blasen und schält sich. Ich schreibe diese Worte auf die Scheibe. Der zähe, unanschauliche Brei verläuft ein wenig, doch ich bin zufrieden. Irgendwo im Norden wird sich eine Nase rümpfen. Im Rest der Welt ertrinken die Menschen in den Fluten. Ich kann ihre Schreie hören.

Dienstag, 28. September 2010

Die Nacht

Ein Mann vom Lande ging des Nachts durch den Wald, als er eine Gestalt entdeckte.
"Wer seid ihr?", fragte er.
Der Fremde antwortete, er sei ein weiser Mönch und auf der Suche nach einem Würdigen, seine Weisheit zu teilen.
Der Erste hob die Augenbrauen: "Seid ihr es denn wirklich? Nun gut, dann sagt mir, was ich in meiner Hosentasche habe und ich will euch glauben."
Der Fremde nannte es ihm, und der Wanderer war erstaunt.
"So nennt mir, oh Weiser, wie lautet der Sinn des Lebens?"
Und der Weise nannte ihm etwas so Schönes, Entzückendes, das dem Manne so logisch und offensichtlich erschien, dass ihm die Tränen kamen. Er ging fröhlich singend nach Hause und lebte fortan ein glückliches Leben.

Der Andere blieb allein im Dunkel zurück. Verwirrt sah er dem armen Irren hinterher. Kopfschüttelnd ging er auf seinen Jagdstand zurück und spähte weiter nach Wild. Die Sonne würde bald aufgehen.

Die Heuchelei III

Der Schweiß tropft. Er vermischt sich nicht mit dem Öl, dass in der Tiefe unter Schichten verrottendem organischen Materials lauert. Überall schöne Menschen. Ich Idiot, nie wollte ich Wettbewerb oder sogar Vergleich, dabei bin ich immer derjenige, der ihn initiiert. Es gibt noch eine andere Form des Öls. Sie entsteht nicht aus organischem Material, sondern aus Bergen von Plastik und Metall, die in der Sonne schmelzen und die Gelenke verrosten lassen. Wie gern würde ich dieses stinkende Gebräu ausscheiden. Dann könnte ich frei sein. Denn dieses undefinierbare, jenseits aller Farben brodelnde Etwas, das ist die wahrhaftige Gesellschaft. Das ist das Universum, dass in meinen Körper dringt und sich ihm langsam bemächtigt. Das ist die Heuchelei.

Dienstag, 14. September 2010

Die Heuchelei II

Im Internet. Wie viele Stunden habe ich hier verbracht? Eine weißliche Scheibe trennt mich von der Welt. Alle Information ist im Bruchteil einer Sekunde geknechtet und in Handschellen vor mir vorgeführt. Wie so Viele verbringe ich Tag um Tag vor dieser Scheibe, um Antworten zu finden, doch ich weiß nicht mal auf welche Fragen. In Foren treffen sich die Menschen, um Vorschläge zu machen, welche Fragen sie sich eigentlich stellen sollten. Sie werden bewertet, kommentiert und vergessen und geraten schließlich auf einen Backupserver irgendwo auf der Welt, auf ihre große zweite Stunde wartend. Dieses große Spinnennetz hat sich um die Erde gelegt, und es wird dichter, fetter. Die Bibliothek von Alexandria fiel der großen Dummheit zu Opfer, doch sie hatte einen entscheidenden Makel. Sie existierte, war Materie durch und durch. Sie atmete, hatte eine eigene Luftzirkulation und Steine, die sie ergaben. Das Internet kann nicht der selben Dummheit zu Opfer fallen, dafür müsste man es ja erst mal definieren. Man weiß nur, dass es überall ist. Und dass man nicht mehr ohne kann.

Mittwoch, 8. September 2010

Die Heuchelei I

Heute war ich im Park. Ich lag in der stechenden Sonne und las. Ein weiteres Buch habe ich zu Ende gelesen. Es berührte mich, aber diese Berührung war nur oberflächlich. Bücher sind nichts weiter als totes Holz. Sie legen sich in mein Bewusstsein und werden zu einer dicken Schlacke. Weitere legen sich schwer über sie, und schließlich werden sie zu Öl. Dieses Öl, dass mich antreibt, mich sanft aber unbeirrt auf den Tod zusteuert. Man darf sich dem nicht verweigern. Der Tod läutet das Ende der Existenz ein. Die Leute glauben, sich vor ihm zu fürchten, aber in Wirklichkeit streben sie ihn alle an. Indem sie durch die Zeit schreiten, ohne zu begreifen. Indem sie den Fluss der Zeit beschleunigen. Der Tod ist nichts schlechtes. Er ist programmiert. Die Angst vor ihm aber auch. Beides ist gleichermaßen wichtig für die Evolution. Der Mensch lebt, um zu sterben. Aber erst der moderne, post-industrialisierte Mensch hat es sich zur Aufgabe ersonnen, das Leben zu verkürzen. Indem er es zwanghaft versucht mit Sinn zu füllen, und Versprechen hinterher jagt, die niemals erfüllt werden. Doch seit wann ist das so? Der alte Mensch, der lebte um zu arbeiten. Er kürzte sein Leben dadurch zwar direkter, aber weniger geheuchelt.

Der Humor

Neulich nachts, als ich schlief, kamen SIE in mein Zimmer. Sie bauten in aller Ruhe einen OP-Tisch um mein Bett herum auf. Sie haben mir den Kopf aufgeschnitten. Fein säuberlich, mit einem Skalpell. Sie schnitten mir bis ins Hirn. Synapse für Synapse wurde neu vernäht. Als ob sie eine Maschine umprogrammieren würden. Dann haben sie mich wieder zugemacht und sind gegangen. Sie hinterließen nichts, ausser einer Ansichtskarte aus Upsala. Trotz aller Säuberlichkeit scheinen sie ihren Sinn für Humor nicht verloren zu haben.

Freitag, 3. September 2010

Die Ironie

Der Mensch ist von allen Organismen auf der Erde der unmenschlichste.

Der Spiegel

Ich halte mich selbst nicht für normal. Das ist mein größter Stolz und Makel. Deshalb kann ich nie Teil einer Masse werden. Ich kann mich lieben. Sehe ich in den Spiegel, so funktioniert es. Dort sehe ich dann ein zwar kantiges, aber doch geformtes Ganzes, dass gerade durch seine Inkonsistenz und Verwirrungen zur Kunst wird. Doch sehe ich einem Anderen in die Augen, sehe ich meine Reflektion als hässlichen, unnützen und anachronistischen Klumpen, der geformt werden müsste, bevor jemand an ihm Gefallen finden könnte.

Donnerstag, 2. September 2010

Die Konditionierung

Das eigentliche Problem an der Globalisierung ist doch, dass irgendwann die ganze Welt gleich riechen wird. Beton, Plastik und Abgase werden irgendwann alle tieferen Emotionen erstickt haben.

Das Gefühl

Ein altes Gefühl, das ich schon immer in Worte fassen wollte...

Wenn ich eine schöne Landschaft sehe, licht und schön in der Sonne, dann will ich diesen Ort besitzen. Ein Teil von ihm werden. Ein ganzes Leben in ihm verbracht haben, ohne je etwas anderes gekannt zu haben.

Ich weiß noch nicht, wie ich dieses Bedürfnis stillen kann. Zeitlos, ziellos, frei durch das Land hindurch zu wandern ist ein Anfang. In seinem Herzen mich niederzulegen und die Sonne zu genießen ein zweiter Schritt. Doch meine Wollust verlangt nicht weniger als 10 Schritte, und doch unendlich, und doch sollte es eigentlich nur ein einziger sein. Ich möchte die Pflanzen mit meinem Schweiß begießen. Den Mücken mein Blut spenden. Dem Boden und den Tieren und den Bakterien meine Überreste opfern. Meine Asche im Wind verstreuen.

Ein großer Schritt und doch keiner ist vielleicht das Hirtendasein. Tagelang sitzt er auf den Steinen, die seit Tausend Jahren nicht bewegt wurden. Er wird Teil seiner Herde, Teil der Weide, Teil der Luft, Teil der Welt.

Doch dafür ist es, zum Glück, zu spät.

Und da leuchtet etwas im Feld, etwas Gläsernes, das die Sonne reflektiert. Eine Idee. Ein Fänger im Roggen sein. Takuan, der goldene Junge.