Samstag, 4. Dezember 2010

Die Stadt und der Schnee

Es ist Dezember. Der Himmel blau, der Rest ist weiß. Schön. Hoch über der Siedlung kreisen zwei Raubvögel. Ich laufe neben dem Weg, um meine Schritte im Schnee zu hören. Es ist noch nicht spät, aber die Wintersonne lässt die Bäume lange Schatten werfen. Ich springe über einen. Oder zwei.

Vor einigen Tagen bin ich in die Stadt gegangen. Es war kalt und grau, aber ein gemütliches Dezember-kalt und -grau. Der Winter war neu, noch genoss man die Veränderungen, die er mit sich brachte. Ich ging durch die Straßen von Freiburg und betrat jeden sympathischen Laden den ich fand. 'Hallo, ich bin Student und auf der Suche nach einem kleinen Nebenjob.' - 'Was studieren sie denn?' - 'Informatik...' - 'Ahja, das is ja ganz was anderes... Nunja, lassen sie mir mal ihre Nummer da!'.

In einem alten Spielzeugladen hätte man mich sofort genommen. Es arbeiteten sonst nur hübsche Frauen da und man war überrascht und erfreut darüber, dass ein junger Mann, noch dazu ein Informatiker anfragte. Aus allen Ecken wurde mir zugelächelt. Es roch nach Holz. Alte Damen, die für ihre Enkel Weihnachtsgeschenke einkaufen. Der Besitzer machte aber klar, dass der Job eine lange Einarbeitungszeit erfordert und er deshalb auf mindestens 2 Jahre ausgelegt ist. Ich sagte, ich überlege es mir und ging hinaus in die Kälte.

Ein Stückchen weiter fand ich einen nepalesischen Laden mit Gebetsmühlen, Statuen, Klamotten, Klangschalen. Ich wollte erstmal nach einem Pullover sehen. Innen unterhielt sich ein charismatischer Latino mit einem Inder auf Englisch. Es ging um Kapitalismus. Man grüßte mich, bot mir Hilfe an, sagte ich rieche gut (womöglich das Holz aus dem Spielzeugladen) und redete weiter. Als ich an die Kasse kam, fragte mich der Latino nach meiner Meinung. Natürlich war ich der selben wie sie, und ich glaube ich war ihnen sympatisch. Nachdem der Inder gegangen war meinte der Andere, der Besitzer, er hätte die selbe Jacke wie die, die ich ausgesucht hatte. Sie ist grün und bestickt. Wir redeten ein Weilchen und schließlich fragte ich nach einem Job. Der Latino, Kolumbianer übrigens, musterte mich kurz, grinste und sagte, ich solle am Freitag wieder kommen. Das ist heute.

Ich war eben da. Eigentlich hat er mir nur gesagt, ich soll am Montag wiederkommen und meine Papiere mitbringen. Was ich tun werde und wieviel ich dafür bekomme weiß ich nicht. Aber das ist auch nicht so wichtig.

Daheim angekommen höre ich im Flur Musik. J. spielt Geige, K. Flöte. Ich nehme meine Gitarre und geselle mich dazu. Wir schauen uns nicht in die Augen sondern spielen einfach nur. Zunächst etwas melancholisches, dass sich aber langsam in einen Blues verwandelt. Als wir fertig sind strahlen wir uns einfach nur an. M., unsere exotische Blume, kommt aus ihrem Zimmer und ist total begeistert. Schön. WeeGee Fifty.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen